Der Arztbesuch

Am nächsten Tag fuhren wir dann endlich nach Irbid, die nächste große Stadt, um dort zu einer Frauenärztin zu gehen. Seltsamerweise war das Wartezimmer voll mit schwangeren Frauen, obwohl Ali mir ja erzählt hatte, arabischen Frauen würden nicht zum Arzt gehen. Aber wie anders war es doch wie bei uns! Ich wurde ins Untersuchungszimmer gebeten. Dort musste ich mich dann auf eine Liege legen und wurde mit einem großen Tuch bedeckt. Die Sprechstundenhilfe sagte zu Ali, dass ich mich nun unten herum frei machen solle, aber alles unter der Decke. Dann kam die Ärztin, sie war tief verschleiert, sogar mit Gesichtsschleier. Aber sie sprach wenigstens Englisch, so konnte ich mich einigermassen mit ihr verständigen. Sie erzählte mir , dass sie in Amerika studiert...

Wieder schwanger

Wir sprachen an diesem Tag kein Wort mehr über das was vorgefallen war. Ali benahm sich so, wie wenn nichts passiert war. Erst am Abend, als er im Bett lag, legte er sich nahe zu mir und flüsterte : „ Warum hast du mich so herausgefordert? Das darfst du nie wieder tun. Ich wollte dir doch nicht weh tun. Es tut mir sehr leid, was ich getan habe. Du weißt doch wie sehr ich die liebe. Mach das nie wieder, damit ich dich nicht schlagen muss.“ Und ich fühlte mich schuldig. Warum war ich nur so laut geworden? Ich hätte doch auch in Ruhe mit ihm reden können, dann wäre all das nicht passiert. So vergingen die Tage und Wochen. Der Rohbau des neuen Teiles des Hauses stand bereits. Es sollte ein Bad im deutschen Stil, mit Fliesen und richtiger Toilette werden,...

Der Schock

Die Zeit verging, es war inzwischen Dezember geworden. wir hatten uns schon einigermassen eingewöhnt, Opa kümmerte sich sehr viel um Kamila, die nun auch schon ein Jahr alt war. Er trug sie ständig mit sich herum, sie kuschelte sich in seinen Pelzmantel. Samira war mit dem Sprechen etwas zurück. Ich führte das darauf zurück, dass sie so plötzlich in eine zweite Sprache geworfen worden war. Alle Verwandten redeten arabisch mit ihr nur in der Familie wurde Deutsch gesprochen. Damit jeder sie verstand hatte sie sich eine Art Zeichensprache angeeignet. Daniel konnte nun schon recht gut arabisch, auch lesen und schreiben. Man merkte, dass er sehr intelligent war. Auch Alex konnte sich nun schon ein wenig mit Opa und den anderen unterhalten. Nur ich, ich konnte...

Die arabischen Kinder

Für mich war es eine große Umstellung ohne Strom und fliesendem Wasser leben zu müssen. Abends zündeten wir eine Petroleumlampe an um Licht zu haben, es gab keinen Fernseher, kein Radio, kein Bügeleisen, nichts. Erst wenn man gar keinen Strom hat bemerkt man wie oft man ihn brauche würde.Ich begann Kuchen mit der Hand zu rühren, auch Teig zu kneten für Brot. Unsere Wäsche wusch ich mit der Hand, wrang sie dann aus und versuchte sie so glatt wie möglich zu halten auch ohne bügeln.Manchmal überlegte ich mir, wie dumm man doch sein musste, um als konsumgewohnte, verwöhnte deutsche Frau hierher zu gehen. Aber ich war trotz allem immer noch recht zufrieden mit meinem Leben, ich brauchte das alles nicht. Ich hatte meinen Mann, der endlich wieder...

Das Haus

Dann kam der September. Die Schule begann. Daniel hatte zwar in Deutschland schon die erste Klasse gemacht, aber er sollte hier noch mal von vorne beginnen, da er ja arabisch weder schreiben , lesen oder sprechen konnte. Es war ja eigentlich geplant gewesen, dass wir bereits im April umziehen würden, dann hätte Daniel, so hatten wir es uns gedacht, fast 5 Monate gehabt um die Sprache zu lernen und vielleicht auch bereits ein wenig von der Kultur. Aber nur waren es eben nur 4 wochen gewesen, und Daniel wurde nun ohne irgendwelche Vorkenntnisse in eine arabisch- islamische Grundschule gehen müssen. Er tat mir sehr leid, als er an diesem Morgen mit Ali wegfuhr. Ali hatte beschlossen, dass Daniel sofort in die Schule in der Nähe unseres Grundstückes gehen solle,...

Aller Anfang ist schwer

Nach zwei Wochen nahm Ali uns endlich alle mit nach AlGor, ins Jordantal. Dort hatte er und sein Vater die kleine Plantage inzwischen etwas erweitert, hatten neue Bäume gepflanzt und Kanäle zum gießen gezogen. Für Kamila hatten wir ein Reisebett dabei, dass wir dort unter einen großen Olivenbaum in den Schatten stellten, und Decken und Kissen für uns zum daraufsetzen. Es war sehr, sehr heiss. Aber auch wunderschön. Das Jordantal ist eine sehr schöne Gegend, durch die vielen Obstbäume dort scheint es immer grün zu sein. In der Ferne sieht man die Berge von Israel, auf der anderen Seite das Tales die Berge von Jordanien. Doch durch seine sehr tiefe Lage unter dem Meeresspiegel ist es auch sehr heiß. Es ist eines der heißesten Orte Jordaniens, wir haben...

Die ersten Wochen

Die nächsten vier Wochen verbrachten wir im Haus meiner Schwiegereltern. Wir schliefen alle sechs in einem Zimmer. Jeden Abend breiteten wir die Matrazen aus, und morgens verteilten wir sie an den Wänden, so dass wir tagsüber darauf sitzen konnten. Stühle und Tische gab es ihm Haus meiner Schwiegereltern nicht. Alis Brüder schliefen in dieser Zeit im Besucherzimmer, und die Eltern und die Schwestern im Zimmer von „ Deda „, wie meine Schwiegermutter genannt wurde. Ich bemerkte in dieser Zeit, dass Miriam den ganzen Haushalt führte, meine Schwiegermutter und Sahida taten gar nichts. Ali erzählte mir, dass Sahida nervlich krank sei und Medikamente nehme müsse, da sie schizophren sei und Stimmen hören würde, wenn sie das nicht tat. Sie würde dann auch...